Freiwillige Feuerwehr Kronprinzenkoog
Freiwillige Feuerwehr Kronprinzenkoog

Pressemitteilung des KFV Dithmarschen vom 12.12.2018

 

Vom A.N.T. zur A.N.T.S – ganz so einfach ist das nicht

 

Dithmarschen - Im Kreis Dithmarschen werden jährlich vier Kurse für ein Atemschutznotfalltraining, kurz A.N.T, durch den Kreisfeuerwehrverband angeboten. Die Nachfrage bei den Feuerwehren ist groß. Das Team rund um den Fachwart Sascha Schmidt besteht aus insgesamt vier erfahrenen
Atemschutzgeräteträgern, die seit 2015 bereits 20 Wehren im Kreis Dithmarschen für einen Atemschutznotfall ausgebildet haben. Doch der Schritt zu einer Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel (A.N.T.S.) sei laut Ausbilder Michael Friederichs noch einmal ein ganz anderer.

 

Sascha Schmidt, Markus Brünn, Michael Friederichs und Arne Puck sind im Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen für die Atemschutznotfallausbildung zuständig. „In Europa sind zwischen den Jahren 2010 und 2017 mehr als 970 Atemschutzgeräteträger bei Unfällen in einem Einsatz verletzt worden -
für 34 Atemschutzgeräteträger endeten die Unfälle tödlich!“, berichtet Ausbilder Michael Friederichs. So endete auch im Jahr 2015 einGebäude-brand in Dithmarschen in einer Katastrophe. „Mit der Ausbildung im A.N.T. können wir die Sicherheit für die Atemschutzgeräteträger im Einsatz deutlich
erhöhen. Der Lehrgang ist besonders praxisnah gehalten, beginnt bei den Grundsätzen des Atemschutzeinsatzes und endet in einer Abschlussübung in der die erlernten Inhalte abgefordert werden.“, erklärt Friederichs. Der Lehrgang werde für jede Feuerwehr individuell angepasst. Die vorhandenen Mittel der jeweiligen Wehren werden im Laufe des Lehrganges für die Rettung
verunfallter Geräteträger eingesetzt. „Auf diese Weise zeigen wir auf, wie vielseitig die verschiedensten Rettungsmittel, von der Feuerwehrleine bis zum Spineboard, genutzt werden können.“, so Friederichs. Ziel des Lehrganges ist es, den Sicherheitstrupp auf einen Atemschutznotfall vorzubereiten und die Grenzen eines Trupps aufzuzeigen. Laut Friederichs schaffe es ein
Sicherheitstrupp in der Regel gerade einmal den verunfallten Atemschutz--geräteträger zu finden und diesen über eine Atemschutznotfalltasche mit Luft zu versorgen, was zunächst das wichtigste zu erreichende Ziel darstellt. Die eigenen Luftreserven des Sicherheitstrupps reichen dann in der Regel nicht aus, um das verunfallte Feuerwehrmitglied ins Freie zu bringen, so dass ein weiterer Trupp benötigt wird. Der Personalaufwand für eine erfolgreiche Rettungsaktion sei enorm. Außerdem sei eine Koordination der einzelnen Trupps hier besonders wichtig. Die nächste Sicherheitsstufe für den Atemschutzeinsatz bildet eine sogenannte Atemschutz-Notfall-Trainierte- Staffel (A.N.T.S.). „Die A.N.T.S. ist speziell geschult und nimmt im Einsatz eine
unterstützende Tätigkeit für den Sicherheitstrupp wahr. Sie ersetzt den Sicherheitstrupp nicht!“, betont Michael Friederichs. Friederichs weiter: „Die Notfallstaffel rückt mit einem eigenen Fahrzeug aus und beteiligt sich nicht am Einsatzgeschehen. Sie greift erst im Notfall ein und dringt dann mit ihrem 4er-Trupp zu dem verunfallten Atemschutzträger vor, um diesen zu retten.“
„Im Kreis Dithmarschen gibt es derzeit nur eine einsatzfähige Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffel, die auch gleichzeitig die einzige A.N.T.S. im Land Schleswig-Holstein darstellt.“, hebt Guido Brandt, Initiator und Leiter der A.N.T.S Heide hervor. Diese wird unter Brandts Leitung durch die Freiwillige
Feuerwehr Heide Stadt unterhalten. „Basierend auf dem Berliner Modell wurden von den Mitgliedern nach der Grundausbildung von 64 Stunden weitere zwei Jahre Training durch zertifizierte Ausbilder absolviert, bevor sich die Staffel einsatzbereit melden konnte.“, berichtet Guido Brandt weiter. „Hierbei handelt es sich um einen erheblichen Mehraufwand im Gegensatz zu dem Atemschutz-Notfall-Training“, fügt Friederichs hinzu, „und das nicht nur zeitlich gesehen - auch die Ausrüstung unterscheidet sich deutlich von der herkömmlichen Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren.“ So werden laut Friederichs unter anderem Zwei-Flaschen-Geräte mit CFK Flaschen verwendet, um auf einen größeren Luftvorrat zurückgreifen zu können. Ein eigenes Fahrzeug müsse vorgehalten werden, technische Geräte wie Wärmebildkameras, Schleifkorbtragen, Schlauchpakete und vieles mehr
werden benötigt. Da eine A.N.T.S. mit dem wehreigenen Personal arbeite, könne sie bei der durchschnittlichen Personalstärke der Feuerwehren in Dithmarschen nicht die Sicherheit für die eigenen Kameraden bilden. Dies sei nur besonders personalstarken Feuerwehren wie im aktuellen
Fall, der Stadt Heide, möglich. Aus diesem Grund strebt Guido Brandt zur besseren Abdeckung des Kreisgebietes eine weitere A.N.T.S. an. „Es ist wichtig, eine einheitliche Ausbildung von Notfallstaffeln im Kreis Dithmar- schen anzustreben!“, erklärt Michael Friederichs. Ein denkbares Modell wären Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffeln in den einzelnen Ämtern des Kreises Dithmarschen, die dann zu Einsätzen der jeweiligen Nachbarämter ausrücken könnten. Dies müsse im besten Fall über den Kreisfeuerwehrverband koordiniert werden. „Wildwuchs ist das Schlimmste was passieren kann, wir brauchen einheitliche Ausbildungsstandards und Einsatzmittel.“, so Friederichs weiter. Um die Feuerwehren im Kreis Dithmarschen über die
Rahmenbedingungen zur Gründung einer Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel aufzuklären, fand im Mai diesen Jahres eine Informationsveranstaltung durch den Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen statt. Die Veranstaltung
diente den Teilnehmern als anschauliche Erläuterung des Atemschutz-notfalltrainings sowie der Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel. Nach ersten Gesprächen mit Amtswehrführern und Wehrführern zeige sich eine gewisse Distanzhaltung gegenüber der Gründung einer A.N.T.S., auch, wenn der Sinn einer solchen Staffel verstanden wurde. Der Mitgliederrückgang und der erhebliche Schulungsaufwand schrecke viele Feuerwehren ab, sich an einem solchen System zu beteiligen. Umso mehr freut sich Guido Brandt über den geplanten Aufbau einer A.N.T.S. bei der Feuerwehr Wesselburen.
Friederichs zieht Bilanz: „Bis zu einem flächendeckenden A.N.T.S-Netz wird es noch ein weiter Weg sein. Mit der kreisweiten und einheitlichen Ausbildung des A.N.T.-Lehrganges sind wird auf einem guten Weg, um die Sicherheit
unserer Atemschutzgeräteträger im Einsatz erheblich zu verbessern.“ Ganz nach dem Motto: „Lieber vorbereitet sein und nicht gebraucht werden, als
gebraucht zu werden und nicht vorbereitet zu sein!“

Pressemitteilung des KFV Dithmarschen vom 07.12.2018

 

Löschwasser – immer noch besteht Diskussionsbedarf

Gruppenführer – Unterstützung bei der Lehrgangsvorbereitung

 

Zwei Themen über die auf der Fortbildungsveranstaltung des KFV Dithmarschen informiert wurde.


St. Michaelisdonn – Die Löschwasserversorgung der Gemeinden und eine bessere Vorbereitung von zukünftigen Gruppenführern auf die Lehrgänge in Harrislee waren Thema bei einer Veranstaltung des Kreisfeuerwehrverbandes Dithmarschen. Mit Uwe Sobania (Brandschutzdienststelle des Kreises
Dithmarschen) und Carsten Köster-Wittgrefe (Wehrführer der Feuerwehr Süderholm) wurden gleich zwei Referenten für diese Veranstaltung durch den stellvertretenden Kreisbrandmeister Klaus Vollmert eingeladen. In sechs Veranstaltungen wurden neben 140 Wehrführern und Stellvertretern auch 65
Bürgermeister zu diesen Themen informiert. Die Löschwasserversorgung ist
gem. Baugesetzbuch (BauGB) in Verbindung mit dem Brandschutzgesetz (BrSchG) Sache der Gemeinden und Städte. Im BauGB ist vorgesehen, dass für eine Zulässigkeit eines Bauvorhabens die Erschließung in jedem Fall gesichert sein muss. Eine derartige Erschließung umfasst eben auch die Versorgung mit Wasser für Löschzwecke. Weiter ist im BauGB festgelegt, dass die Erschließung Aufgabe der Gemeinde ist. In der Landesbauordnung des Landes Schleswig-Holstein wird zudem gefordert, dass bauliche Anlagen so zu errichten und Instand zu halten sind, dass wirksame Löscharbeiten möglich sind. Grundsätzlich ist also die Versorgung mit Löschwasser, als Teil der Erschließung, Voraussetzung für eine Baugenehmigung. Hierzu wurde durch das Schleswig – Holsteinische Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten ein Erlass herausgegeben. Der Erlass in seiner aktuellsten Fassung vom 22.08.2017 regelt für die unteren Bauaufsichten und die Gemeinden die rechtliche Grundlage im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens zur Bereitstellung und Ermittlung des notwendigen Löschwasserbedarfes. Unter anderem stellt der Erlass klar, dass zur Bemessung einer ausreichenden Löschwasserversorgung zur wirksamen Brandbekämpfung die DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) Arbeitsblätter W405, W331 und W400 als Arbeitshilfe dienen. Diese Arbeitsblätter ermöglichen die Ermttlung der erforderlichen Löschwassermenge für Objekte im Grundschutz. Auch der Radius des Umkreises um das betrachtete Gebäude, in dem die Löschwasserentnahmestellen für die Durchführung wirksamer Löscharbeiten herangezogen werden können, wird in dem Arbeitsblatt W405 definiert. Maximal 300 Meter darf demnach eine Löschwasserentnahmestelle zu einem Gebäude entfernt liegen, um baurechtlich berücksichtigt zu werden. Dies sei nach Aussage von Uwe Sobania nicht mehr zeitgemäß. Sobania führt weiter aus, dass die heute verwendeten Baustoffe und Einrichtungsgegenstände einen erheblich höheren Anteil an Kunststoffen beinhalten würden. Damit einhergehend seien die Anteile an brennenden Materialien im Hausbau und die giftigen Bestandteile in den Verbrennungsgasen gestiegen. Die derzeit angewendeten Tabellen zur Ermittlung der erforderlichen Löschwassermengen aus den Arbeitsblättern des DVGW seien veraltet und würden diese Entwicklung nicht berücksichtigen, so Sobania weiter. Auch die mögliche Entfernung einer Löschwasserentnahmestelle von 300 Metern stelle die Feuerwehren vor technische und personelle Herausforderungen. Eine Anpassung der gesetzlichen Grundlagen zur Löschwasserversorgung ist nach Meinung des Kreisbrandschutzingenieures unerlässlich. Eine durchaus sinnvolle Anpassung der Rechtslage sei die Reduzierung der maximalen Löschwasserentfernung zu Gebäuden. So schlägt Sobania eine Entfernung von nicht mehr als 75 Metern vor, in dessen Umkreis eine Löschwasserentnahmestelle einem Gebäude zugeordnet werden sollte. Eine gültige rechtliche Grundlage für Forderungen an Löschwasserentnahme-stellen in einem Umkreis von weniger als 300 m zu einem Gebäude ist in Schleswig-Holstein jedoch derzeit nicht bekannt.


Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde über die Gruppenführervorbereitung im Kreis Dithmarschen berichtet. Rund 70 Mitglieder der öffentlichen Feuerwehren des Landes Schleswig – Holstein würden jährlich in der Landesfeuerwehrschule in Harrislee zu Gruppenführern ausgebildet. Dabei handelt es sich für viele Feuerwehrmitglieder um den ersten Lehrgang auf Landesebene, bei dem die Möglichkeit besteht, das Lehrgangsziel nicht zu erreichen und ohne einen erfolgreichen Lehrgangsabschluss des zweiwöchigen Lehrganges nach Hause zu kommen. Im Jahr 2017 seien drei Lehrgangsteilnehmer in den Abschlussprüfungen durchgefallen, weiß Carsten Köster-Wittgrefe zu berichten. „Dies ist keine besonders hohe Durchfallquote, jedoch ist jedes Mitglied ohne erfolgreichen Abschluss eines zu viel!“, so Köster-Wittgrefe weiter. Der Druck sei enorm groß. Für den Lehrgang müsse schließlich beim Arbeitgeber Urlaub eingereicht werden und der Gemeinde entstehen Kosten für die Lehrgangsteilnahme. Bei einem nicht bestandenen Lehrgang könne es so zu Situationen kommen, in denen Versagensängste entstehen oder sogar ein Rücktritt vom Gruppenführerposten die Folge sein kann. „Dem wollen wir vorbeugen!“, erklärt Carsten Köster-Wittgrefe. Seit 2008 wird im Kreis Dithmarschen ein Vorbereitungslehrgang für Gruppenführer auf Kreisebene angeboten. Acht Mitglieder aus verschiedenen Feuerwehren haben sich bereit erklärt, als Ausbilder bei dem Vorbereitungslehrgang mitzuwirken. So können zwei Vorbereitungslehrgänge jährlich angeboten werden. Die Lehrgänge sind derzeit gut besetzt, der Trend der Teilnehmerzahlen zeigt sich steigend. Drei Wochen vor Beginn des Vorbereitungslehrganges werden an die Teilnehmer Fragebögen ausgeteilt, die zum Lehrgangsbeginn eigenständig ausgefüllt werden müssen. „Dies wird gut angenommen und dient der Vorbereitung auf eigenständiges Arbeiten und Recherchieren.“, berichtet Süderholmer Wehrführer. Um kontinuierlich eine bestmögliche Vorbereitung auf den Gruppenführerlehrgang an der Landesfeuerwehrschule zu gewährleisten, stehen die acht Kreisausbilder ständig im Kontakt mit den Ausbildern der Feuerwehrschule in Harrislee, um auf neue Lehrgangsinhalte schnell reagieren zu können und diese in die Vorbereitungen einfließen zu lassen.

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